Zurück zur Übersicht der Texte

Kritisch-Realistisch geprägter Optimismus

Vorsicht! Komische Gedanken! :-)

Nein, ich möchte nicht über Kant'schen Kritizismus, Kritischen Realismus oder andere große philosophische Konzepte reden - ich hatte heute seltsamerweise das Bedürfnis, meiner Herangehensweise an die Welt einen Namen zu geben, und sie zu erklären. Eigentlich einfach so für mich selbst, und um mich andren nach dieser Übung meine Einstellung (oder: "Was ich von mir denke, wie ich handeln würde") besser erklären zu können.

"Kritisch-Realistisch geprägter Optimismus - was meint dieser Spinner damit?" - "Gute Frage!" (Ich führe gerne Selbstgespräche, wie ihr gleich noch deutlicher merken werdet) Um es gleich zu sagen: Ich bin Optimist, und Optimismus ist für mich persönlich das Geschenk, an etwas positiv herangehen zu können. Vom "Kritisch-Realistisch geprägtem" muss man sich erstmal nicht irritieren lassen, denn über dem ganzen steht erstmal: "Hey, die Welt ist nicht so dumm wie die viele sie sie verkaufen!" Punkt. Ich bin persönlich so zu dieser Meinung gekommen. Ich habe mich gefragt, was es mir bringt, die Welt schlecht zu finden. Ich gab mir die Antwort, dass es mir einfach nichts bringen würde. Ich könnte mich verkriechen und lästern und auf ein gutes Leben verzichten, da ich es selbst nach den schrecklichsten Bemühungen ja nicht finden könnte, weil die Welt ja sowieso so schrecklich ist usw. usw. Da ich das persönlich nicht akzeptieren kann stellte ich für mich einfach die Hypothese auf: "Die Welt ist grundsätzlich gut!", oder, um es etwas enthusiastischer zu formulieren, um auch etwas Motivation daraus ziehen zu können: "Hey! Die Welt ist geil!" Genau, die Welt, nicht der Geiz. Ich hätte genauso gut zur selbst gewählten Depression vieler Pessimisten wechseln können, aber da ich definitiv keinerlei Vorteil daraus ziehe, warum nicht das andre ausprobieren? Ich gebe zu, ich habe wenig über die Grauzonen dazwischen nachgedacht, aber es lief ganz gut mit dem Optimismus.

Früher oder später kommt dann aber der Augenblick, in dem man etwas ins Gesicht sehen muss: Es gibt Dinge auf dieser Erde, die schrecklich, dumm, und wasweißich sind. Das sieht für viele erstmal wie der Untergang des Optimismus aus. Für mich ist es das nicht. Mein Optimismus ist für mich nicht naiv in eine quietschbunt angemalte schwarze Welt zu treten, sondern auch kritisch an die Welt herangehen zu können und wissen, dass man es im Vergleich zu vielen gut hat und auch viele schlechte Dinge selbst beeinflussen kann. Ich hatte lange Probleme mit Schulangst und musste auch eine stationäre Therapie machen und kann momentan nicht auf eine normale Schule gehen und nicht Zu hause wohnen. Das sieht nicht rosig aus. Es geht mir trotzdem sehr gut. Was mich über die Zeit vor der Therapie gebracht hat, welche dann für mich eine große Hilfe war, war der Glaube, dass zwar meine momentane Situation schlecht ist, aber nicht die sonstige Welt um mich her. Es war ein verzweifeltes Klammern an dem wenigen, was ich hatte, was mich das hat überstehen lassen, die Flucht in die Traumwelt der Hoffnung. Optimismus ist für mich der Glaube an die Hoffnung. Was mich dagegen jetzt antreibt, sind die schönen "Saiten" des Lebens: Musik, Lesen, einfach ohne Angst zur Schule gehen können und das Wissen, dass man alles, was man momentan vermissen muss, durch Zeit und Anstrengung verbessern kann. Zusätzlich kann man es dann auch noch mehr schätzen als vorher, weil man auch das weniger gute von vorher kennt. Und manchmal müssen auch dunkle, dissonanten Saiten eines Instruments mitschwingen um einen Klang interessant zu machen.

Weiterhin versuche ich vernünftig zu sein. Realistisch. Das kriegt man ja sowieso von überall eingetrichtert. Eltern, Schule, Wissenschaft usw usw. "Seh die Welt, wie sie vor dir liegt und nicht wie du sie dir erhoffst!" so würde ich die Lehrmeinung zusammenfassen. Ich finde, dass es beides geht: Mit offenen Augen durch leben gehen und gleichzeitig mit offenen Augen Träumen; nur so kann man die Kreativität seiner Träume auch nutzen, um sie in Wirkliches umzusetzen. Außerdem kann es einem Helfen, durch seine Träume, die zu Zielen werden können, durch finstre Zeiten zu kommen, die man sich mit seinen von der Wirklichkeit abgehobenen Fantasien ein wenig erleuchten kann. Was anderes ist Kunst? Wahre Kunst ist meiner Meinung nach Fantasie in Emotionen umzusetzen. Dadurch macht man sie übertragbar und fest. Aber ich schweife ab. Realistisch und gleichzeitig Optimistisch zu sein bedeutet für mich, etwas zu sehen, was vor mir liegt, aber die weitere Wertung des Objekts oder der Person vom Optimismus beeinflussen zu lassen. Das heißt positiv auf etwas oder jemanden zu zu gehen, auch wenn man keinen realistischen Grund dafür hat.

Gerade bei diesem Fall weiß ich durch mein kritisch-realistisches Denken aber auch, dass man immer wieder davon abfällt, Leuten schlechte Absichten unterstellt, Prüfungsangst hat, was ja eigentlich nur die Angst ist, dass etwas schlecht statt gut wird, usw. Was ich hier beschreibe, ist ein Ideal, dass ich bei Weitem nicht erfülle. Weiter weiß ich, dass ich nicht perfekt bin und nie perfekt werden kann, weil kein Mensch perfekt ist. Durch meinen Optimismus weiß ich aber, dass ich nicht perfekt sein muss, denn wenn keiner perfekt ist sind auch die großen Leuchten unserer Zeit nicht perfekt, und trotzdem schaffen sie große Leistungen.

Kritisch und Realistisch scheinen sich zwar sehr zu ähneln, aber im Kritischen steckt noch eine weitere Botschaft: Das, was man für Realistisch hält immer wieder zu hinterfragen, wobei ich besonders bei schlechten Meinungen aufgrund meines Optimismus das schlechte von etwas oder jemandem hinterfrage, denn besonders Menschen neigen dazu, sich zu verändern. Mein Realismmus sagt zwar, dass ich damit im Nachhinein nicht immer Recht hatte, aber er sagt auch, dass ich dadurch erstmal besser mit meiner Umwelt klarkomme. Durch meinen Optimismus erhoffe ich, mehr Gewinne als Verluste dadurch zu haben, Leuten zu vertrauen, dass sie sich ändern können; oder dass ich mich auch in Leuten täuschen kann, denn ich bin ja nicht perfekt, was ich ja nach meinem Optimismus wie oben beschrieben zum Glück auch nicht sein muss.

Um nach dem ganzen Gelaber auf einen Punkt zu kommen: Die ganze Einstellung kann man in 3 regelhafte Sätze zusammenfassen:

  1. Erlebe!
    • Die Welt um sich herum sehen, schätzen und nutzen
  2. Denke nach!
    • Wann immer man kann. Und immer und immer wieder auch seine Schlüsse überdenken.
  3. Denke Positiv!
    • Positiv auf Menschen, Situationen und Dinge zugehen
text.jpg: 1280x960, 239k (December 29, 2008, at 10:12 PM)
Texte

Zur Übersicht
Texte

Info
Impressum Login